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Physiotherapie

Patienteninformation

Belastbarkeit nach der Brustwandkorrektur

Verhaltensregeln für die erste Zeit nach Entlassung:
Genereller Rauchverzicht wird empfohlen.
Liegen nur in Rückenlage.
Weiterhin Aufstehen über die Seitlage.
Aufrechte Sitzposition, als Hilfen dafür: Stehhilfe, Keilkissen zur Beckenkippung.
Keine extremen Bewegungen in der Wirbelsäule (Beugung, Drehung, Seitneigung).
Keine einseitige Belastung der Arme (z.B. Tasche auf einer Seite tragen).
Wenn nötig leichte symmetrische Belastung auf dem Rücken (Rucksacksack mit 3-5 kg)
Kein einseitiges Anheben der Arme über 90°.
Autofahren: Einsteigen ins Auto immer en bloc und ohne Verwringung des Oberkörpers. Anschnallpflicht besteht immer!
Selbstfahren bei Beschwerdefreiheit und stabilen Kreislaufverhältnissen nach 2 Wochen möglich.

Ab 2 Wochen nach der OP
Fortführung der erlernten Spannungsübungen und Atemübungen aus der Klinik.
Beginn der ambulanten Krankengymnastik.
Leichtes bilaterales Hanteltraining unter krankengymnastischer Anleitung.
Muskelentspannung durch aktive und passive Techniken.
Leichtes Ausdauertraining durch Walken, leichtes Joggen mit gut gefedertem Schuhen.
Radfahren auf dem Ergometer.

Ab 2- 4 Wochen
Arbeit im Sitzen auf entsprechendem Stuhl möglich (Rückenlehne mit Schulterblattkontakt; nach Möglichkeit die Sitzfläche zur Beckenaufrichtung nach vorne kippen).
Radfahren auf sicheren Strecken ohne Sturzgefahr erlaubt.
Bilaterale Therabandübungen (Vorsicht: keine Rumpfrotation).

Ab 4 – 6 Wochen
Seitlage erlaubt: unter 20 Jahren ab 4. Woche, bei Erwachsenen ab 6. Woche.

Ab 7 Wochen
Bauchlage erlaubt.
Rückenübungen in Bauchlage.
symmetrische Belastungen, wie z.B. Rucksack tragen, ist bis max.10 kg erlaubt.
Noch keine einseitige Belastung!
Brust und Rückenschwimmen empfohlen.(Rückenschwimmen ohne Armeinsatz, kein Kraulen!).

Ab 9 Wochen
Stützen erlaubt wie z.B. Vierfüßlerstand, Liegestützen an der Wand.

Ab 12 Wochen
Volle Belastbarkeit nach Absprache mit dem Arzt möglich.
Individuelle Steigerung des Muskel- und Ausdauertrainings.
Die Wirbelsäule darf in alle Richtungen bewegt werden.
Asymmetrische Bewegungen sind erlaubt
Sportliche Aktivitäten ab 12 Wochen
Empfohlen sind alle sportlichen Betätigungen, die keine Verletzungs- und Sturzgefahr in sich birgen. z.B.: Schulsport, Schwimmen, Laufen, Nordic Walking, Muskelaufbautraining am Gerät, Tanzsport.
Mit entsprechender Vorsicht sind Sportarten wie z.B. Ballsport, Skifahren, Skateboard, Inliner- und Schlittschuhlaufen erlaubt.
In Einzelfallentscheidung und nicht vor einem halben Jahr sind Kampfsportarten, Geräteturnen, Bodenturnen, aggressive Tanzstile (Pogo), generell jeder Leistungssport zulässig.


Therapeuteninformation

Physiotherapeutische Behandlungsziele nach Brustwandkorrektur

Ambulante KG in der Rehaphase
Durch den Eingriff entstehen anatomische Veränderungen im Brustkorb. Dadurch ändert sich aber nicht unbedingt die Funktion. So geben manche Patienten nach wie vor ein Engegefühl im Brustkorb und bei vertiefter Einatmung an. Häufig ist die Schulterbeweglichkeit eingeschränkt und ein endgradiges Bewegen wird vermieden. Unbewusste Schonhaltungen werden beibehalten. Es kann lange dauern bis der Patient wieder volles Zutrauen in seine Belastbarkeit hat.
Eine individuelle Befundaufnahme ist vor und nach der Operation wichtig. Besonders die eingehende Befragung nach Beschwerden und Alltagsproblemen.


Physiotherapeutische Ziele und Maßnahmen, die in der Nachbehandlung empfohlen werden:

1. Die Atemfunktion der neuen Brustform anpassen.
Funktionelle Atemschulung: Neuerlernen und Wahrnehmen der Atemrichtung, und des Atemrhythmus. Mögliche Techniken sind Kontaktatmen, Atemwahrnehmung.

2. optimale Gelenkbeweglichkeit des Atemapparates und der Wirbelsäule
Manuelle Untersuchungen und Testung der Gelenkbeweglichkeit an den kleinen Wirbelgelenken, den Costo-Vertebralgelenken und des Schultergürtels. Bei Befund Mobilisation der Segmente und Gelenke.

3. Anpassung der Muskelspannungsverhältnisse an die neue Form
Detonisieren und Dehnen der hypertonen und verkürzten Muskulatur (häufig z.B. M. pectoralis major, M. rectus abdominis, pars descendens M. trapezii)
Tonisieren und Kräftigen schwacher und überdehnter Muskulatur (Mm. rhomboidei, pars ascendens M.trapezii) z.B. nach Vojta, E-Technik.

4. optimale Kraft
Kräftigungsübungen: Ausgangsstellungen und Leistungsreize
siehe Blatt „Belastbarkeit nach der Brustwandkorrektur“.
Kräftigungsprinzip: in Umkehrfunktion (Umkehr Punctum Fixum/Punctum Mobile)
Aufstützen der Arme, um den Muskelzug zur Rippenentfaltung und Brustkorbhebung im Sinne der Einatmung nutzen zu können.

5. optimale Muskelspannung des Zwerchfells
spezielle Übungen und manuelle Techniken (z.B. aus der Osteopathie) zur Wahrnehmung, Dehnung und Kräftigung des Zwerchfells.
(Teile des Zwerchfells werden in manchen Fällen bei der Operation vom Brustbein abgelöst, sie wachsen im Verlauf der Heilungsphase wieder an).

6. optimale Haltung und Bewegung
Haltungsschulung, Rückenschulung, Gangschulung, ADL (activity of daily life)

7. optimale Ausdauerleistung und Vitalkapazität
Ausdauertraining durch Nordic Walking, Laufen, Schwimmen, Radfahren,…

8. Einführung an medizinischen Trainingsgeräten
kontrollierte AG, Steigerung der Leistungsreize, Anleitung zum eigenständigen Üben.

9. individuelle Beratung zur Wiedereingliederung in die Alltagssituation wie z.B:
Beruf, Haushalt, Sport,..